So wird gerechnet
NLR = Neutrophile ÷ Lymphozyten. Beide Werte absolut in ×10⁹/l. Die NLR wird auf zwei Nachkommastellen gerundet.
Wenn Sie Thrombozyten eingeben, kommen zwei Indizes hinzu: PLR = Thrombozyten ÷ Lymphozyten und SII = Thrombozyten × Neutrophile ÷ Lymphozyten (systemischer Immun-Inflammations-Index). Beide werden auf ganze Zahlen gerundet.
Stehen auf dem Befund nur Prozentwerte, ergibt sich die absolute Zahl aus den Leukozyten: absolut = Leukozyten × % ÷ 100. Beispiel: Leukozyten 6,0 und Lymphozyten 30 % → 6,0 × 30 ÷ 100 = 1,8 ×10⁹/l. Für die NLR selbst liefern Prozentwerte dasselbe Ergebnis (die Leukozyten kürzen sich heraus), für PLR und SII braucht man aber echte Absolutwerte.
Der typische Bereich stammt aus Forget et al. (2017) bei gesunden Erwachsenen: NLR von 0,78 bis 3,53. Für PLR und SII gibt es keinen anerkannten Normbereich, deshalb zeigt der Rechner sie ohne Bewertung.
Gut zu wissen
Was die NLR zeigt
Neutrophile reagieren als Erste auf bakterielle Infektionen, Verletzungen und Stress, während Lymphozyten bei akutem Stress eher aus dem Blut verschwinden. Deshalb verschiebt sich das Verhältnis schnell, sobald der Körper stark belastet ist – man spricht von einem Marker für physiologischen Stress (Zahorec, 2021).
In Studien ist eine hohe NLR mit schwereren Verläufen vieler Erkrankungen verbunden. Sie ist aber ein zusätzlicher Hinweis für die Ärztin oder den Arzt, kein Test, der allein eine Diagnose liefert.
Warum der Wert leicht täuscht
Die NLR ist unspezifisch: Sie steigt bei einer Infektion, aber auch nach einer schlaflosen Nacht, einem Marathon oder einer Operation, unter Kortison wie Prednisolon oder Dexamethason, beim Rauchen und in der Schwangerschaft. Sie ändert sich innerhalb von Stunden, ein Einzelwert sagt also wenig.
Der Bereich nach Forget gilt für Erwachsene; bei Kindern ist das Verhältnis anders. Manche Menschen haben von Natur aus weniger Neutrophile (häufig zum Beispiel bei Menschen afrikanischer Herkunft) – ihre NLR ist dann ohne Krankheit niedriger.
Für PLR und SII finden sich in der Literatur sehr unterschiedliche Grenzwerte, jeweils für bestimmte Krankheiten und Patientengruppen. Auf einen Einzelbefund lassen sie sich nicht übertragen.
Wie Sie das Ergebnis nutzen
Am aussagekräftigsten ist der Vergleich Ihrer eigenen Werte über die Zeit, gemessen unter ähnlichen Bedingungen: morgens, ohne akuten Infekt und ohne hartes Training am Vortag. Liegt die NLR deutlich höher als sonst und bleibt das so, zeigen Sie den Befund Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und schildern Sie Ihr Befinden.
Dieser Rechner ist eine Orientierungshilfe, keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren, und das Ergebnis hängt von Ihrer Gesundheit, Medikamenten und weiteren Werten ab. Besprechen Sie es mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Häufige Fragen
Welche NLR ist normal?
Bei gesunden Erwachsenen lag sie in der Studie von Forget (2017) meist zwischen 0,78 und 3,53. Das ist ein Richtwert, keine starre Norm: Stress, Belastung und Medikamente verschieben sie.
Wie berechne ich die NLR, wenn im Blutbild nur Prozente stehen?
Für die NLR können Sie einfach den Neutrophilen-Prozentwert durch den Lymphozyten-Prozentwert teilen – das Ergebnis ist dasselbe. Für Absolutwerte (nötig für PLR und SII) multiplizieren Sie die Leukozyten mit dem Prozentwert und teilen durch 100.
Warum ist meine NLR erhöht, obwohl ich mich gesund fühle?
Stress, wenig Schlaf, hartes Training, Rauchen, Kortison, Schwangerschaft oder ein kürzlich überstandener Infekt können sie erhöhen. Meist wird in ruhigem Zustand nachkontrolliert, ob die Abweichung bleibt.
Was sind PLR und SII, und welche Werte sind normal?
PLR ist Thrombozyten geteilt durch Lymphozyten, SII ist Thrombozyten × Neutrophile ÷ Lymphozyten. Beide werden als Entzündungsmarker erforscht, einen anerkannten Normbereich gibt es aber nicht – die Grenzwerte unterscheiden sich stark zwischen Studien.
Kann die NLR eine bakterielle von einer viralen Infektion unterscheiden?
Bei bakteriellen Infektionen ist sie im Mittel höher, die Bereiche überlappen sich aber. Allein ist sie nicht zuverlässig – das beurteilt die Ärztin oder der Arzt anhand von Untersuchung und weiteren Tests.
Quellen
Formeln und Grenzwerte nach klinischen Leitlinien – Quellen unten.
- Forget P et al. What is the normal value of the neutrophil-to-lymphocyte ratio? BMC Res Notes. 2017;10:12.
- Zahorec R. Neutrophil-to-lymphocyte ratio, past, present and future perspectives. Bratisl Lek Listy. 2021;122(7):474–488.