So wird gerechnet
Freies Testosteron wird nach der Vermeulen-Formel (1999) berechnet – einem Massenwirkungsmodell für die Bindung an SHBG und Albumin. Alle Werte werden in mol/l umgerechnet; Albumin in g/l wird durch 69 000 g/mol geteilt. Bindungskonstanten: SHBG Kt = 1,0 × 10⁹ l/mol, Albumin Ka = 3,6 × 10⁴ l/mol.
Zuerst N = 1 + Ka × Albumin, dann a = Kt × N, b = N + Kt × (SHBG − Gesamt-T) und freies T = (−b + √(b² + 4 × a × Gesamt-T)) ÷ (2 × a). Das Ergebnis wird in nmol/l und pmol/l angezeigt.
Bioverfügbares T = freies T × N (frei plus locker an Albumin gebunden). Freier Anteil = frei ÷ gesamt × 100 %. FAI = Gesamt-T (nmol/l) ÷ SHBG (nmol/l) × 100.
Einheiten: ng/dl ÷ 28,842 = nmol/l, ng/ml × 3,4672 = nmol/l, Albumin g/dl × 10 = g/l. Ohne Albumin-Angabe werden 43 g/l verwendet.
Gut zu wissen
Wozu freies Testosteron berechnen
Etwa die Hälfte des Testosterons ist fest an SHBG gebunden, der Großteil des Rests locker an Albumin, frei sind nur wenige Prozent. Das Gesamttestosteron hängt vom SHBG ab: Es steigt mit dem Alter, bei Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen und unter Östrogenen und sinkt bei Übergewicht, Insulinresistenz und Schilddrüsenunterfunktion. Bei grenzwertigem Gesamttestosteron wird deshalb oft das berechnete freie Testosteron herangezogen.
Die Vermeulen-Formel stimmt gut mit der Referenzmethode, der Gleichgewichtsdialyse, überein und ist meist genauer als „direkte“ Immunoassays für freies Testosteron.
Wann die Schätzung ungenau ist
Die Formel nutzt gemittelte Bindungskonstanten. Bei sehr hohem oder sehr niedrigem SHBG wächst der Fehler, und SHBG-Messmethoden unterscheiden sich zwischen Laboren – damit auch der berechnete Wert. In der Schwangerschaft verändern sich Bindungsproteine und Hormone so stark, dass die Berechnung nicht verlässlich ist.
Bei Frauen ist Testosteron niedrig, und übliche Immunoassays sind in diesem Bereich ungenau; zuverlässiger ist die Massenspektrometrie (LC-MS/MS). Testosteron wird am besten morgens und nüchtern bestimmt und bei auffälligem Ergebnis wiederholt.
FAI bei Frauen
Der freie Androgenindex wird bei der Abklärung von Hyperandrogenämie und PCOS (polyzystisches Ovarsyndrom) verwendet. Seine Referenzwerte hängen jedoch von Labor und Methode ab, deshalb bewertet der Rechner ihn nicht – vergleichen Sie ihn mit dem Referenzbereich Ihres Labors. Bei Männern ist der FAI wenig aussagekräftig; hier orientiert man sich am freien Testosteron.
Dieser Rechner ist eine Orientierungshilfe, keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren, und das Ergebnis hängt von Ihrer Gesundheit, Medikamenten und weiteren Werten ab. Besprechen Sie es mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Häufige Fragen
Ab wann gilt freies Testosteron bei Männern als niedrig?
Nach der EAU-Leitlinie stützt ein Wert unter 0,225 nmol/l die Diagnose eines Testosteronmangels – zusammen mit Beschwerden und einer morgendlichen Kontrollmessung. Laborreferenzen können abweichen.
Warum freies Testosteron berechnen, wenn ich das Gesamttestosteron kenne?
Das Gesamttestosteron hängt vom SHBG ab. Bei hohem SHBG kann es normal wirken, obwohl wenig freies vorhanden ist, bei niedrigem SHBG umgekehrt. Die Berechnung hilft bei grenzwertigem Gesamtwert oder ungewöhnlichem SHBG.
Welcher FAI ist bei Frauen normal?
Einen einheitlichen Normwert gibt es nicht – er hängt von Labor und Methode ab. Der FAI dient der Abklärung von Hyperandrogenämie und PCOS und wird ärztlich zusammen mit Beschwerden und weiteren Befunden beurteilt.
Muss ich Albumin eingeben?
Nein. Ohne Angabe werden 43 g/l verwendet; bei normalem Albumin ändert sich das Ergebnis kaum. Ist Ihr Albumin deutlich erniedrigt (Leber- oder Nierenerkrankung, Mangelernährung), geben Sie besser den echten Wert ein.
Kann ich den Rechner in der Schwangerschaft nutzen?
Nein, in der Schwangerschaft ist die Berechnung nicht verlässlich, weil sich SHBG und andere Hormone stark verändern. Hormonwerte in dieser Zeit beurteilt Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt.
Quellen
Formeln und Grenzwerte nach klinischen Leitlinien – Quellen unten.
- Vermeulen A, Verdonck L, Kaufman JM. A critical evaluation of simple methods for the estimation of free testosterone in serum. J Clin Endocrinol Metab. 1999;84(10):3666–3672.
- EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health — Male Hypogonadism. European Association of Urology, 2024.